McDonald’s macht Kiosk für Blinde zugänglich

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McDonald's Kiosk für Blinde zugänglich
Bild von Joshua Lott, Bloomberg

Kioske von McDonald’s für Blinde und Sehbehinderte Gäste

McDonald’s USA rüstet ihre Selbstbedienungskioske auf, um sie für Blinde und sehbehinderte Personen besser zugänglich und benutzbarer zu machen.

Dazu bauen die unternehmenseigenen McDonald’s-Restaurants neue Tastaturen und Kopfhöreranschlüsse in die bereits 2015 weltweit großflächig eingeführten Touchscreen-bzw. Selbstbedienungs-Kioske ein, die eine sehr gute Alternative zur Bestellung am Tresen darstellen.

Um die Funktion zu nutzen, können blinde und sehbehinderte Gäste ihre Kopfhörer an das System anschließen. Mit Unterstützung der Technologie, die Bildschirminhalte vorliest, sowie durch Pfeiltasten können die Gäste durch das digitale Menü blättern und durch „drücken“ einer zentralen Taste auf dem Keyboard Artikel in ihren Warenkorb legen.

McDonald’s erklärte, dass die bestehenden Selbstbedienungskioske in Übereinstimmung mit den Gesetzen zur Barrierefreiheit, einschließlich dem „Americans with Disabilities Act“ – kurz auch ADA genannt -, eingeführt wurden. Die Touchscreen-Kioske, welche bereits eine verkleinerte Bedienoberfläche für Rollstuhlfahrer eingebaut hatten, sind nun zusätzlich mit einer Bildschirmlupe und einer in Blindenschrift beschrifteten Taste „Hilfe anfordern“ ausgestattet.

„McDonald’s hat die Selbstbedienungs-Kioske eingeführt, damit alle Gäste ihre Bestellungen selbst aufgeben können. Es sollten keine Gäste benachteiligt werden, wenn diese auf die Hilfe des Personals angewiesen sind“ sagte Scott LaBarre von der NFB, der ebenfalls blind ist.

„Wir sind auf Dinge gestoßen, die Touchscreen-Kioske für bestimmte Personengruppen nicht nutzbar machen, obwohl die Technologie das Leben für nicht betroffene viel bequemer machen“, sagte er.

Die NFB (National Federation of the Blind) brachte ihre Bedenken bereits 2019 bei McDonald’s vor. McDonald’s und NFB arbeiteten zusammen, um das neue System zu entwickeln und zu testen.

Wie können blinde Gäste das System nutzen?

Das neue entwickelte System nutzt bereits bestehende Technologien von TPGi, einem Anbieter von Software für Barrierefreiheit; einem zu Vispero gehörenden Beratungsunternehmen, sowie Storm Interface (Keymat Technology Ltd.), welches die unterstützende Hardware entwickelt hat.

McDonald's Kiosk zugänglich für blinde Gäste

Die Lösung wurden in einer Zeit erarbeitet, in der immer mehr Klagen wegen Barrierefreiheit eingereicht werden. Nach Angaben der in Chicago ansässigen Anwaltskanzlei Seyfarth Shaw LLP wurden zwischen Januar und Juni dieses Jahres mehr als 6.300 Klagen bei Gerichten eingereicht. In den Klagen werden Verstöße gegen Titel III des „Americans with Disabilities Act“ geltend gemacht, der die Diskriminierung aufgrund von Behinderungen in öffentlichen Räumen und kommerziellen Einrichtungen verbietet.

Die Kanzlei geht davon aus, dass die Zahl dieser Klagen in diesem Jahr 12.000 übersteigen wird. Das wäre die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung im Jahr 2013.

Eine Kopfhörerbuchse in Verbindung mit der Tastatur, die jetzt an den McDonald’s Selbstbedienungs-Kiosken installiert ist, ermöglicht es blinden, bzw. sehbehinderten Gästen selbstständig und ohne Hilfe durch die Mitarbeiter von McDonald’s zu bestellen.

Scott LaBarre von der NFB sagte: “ Der Americans with Disabilities Act ist ein wertvolles Instrument, welches man auch nutzen sollte, sobald es benötigt wird. Aber wir als NFB stürzen uns nicht gleich auf das Gericht und reichen eine Klage ein. Wir versuchen zuerst die Hand auszustrecken und zu sagen: ‚Hey, es gibt ein Problem, und hier sind einige Ideen für einen Weg, den Sie einschlagen können, um das Problem zu lösen‘.“

Die Anpassungen an den McDonald’s Kiosken erfolgen nicht sofort flächendecken in den USA oder in internationalen Märkten. Die Einführung ist über einen längeren Zeitraum geplant. Nach Angaben des Unternehmens werden alle firmeneigenen Restaurants in den USA bis Ende dieses Jahres das zusätzliche Hilfssystem anbieten. In Kalifornien werden alle bestehenden Kioske in firmeneigenen Restaurants und 25 % der bestehenden Kioske in anderen US-Bundesstaaten mit der Technologie ausgestattet.

Das Unternehmen kündigte an, die neuen Systeme, die für Barrierefreiheit bei Blinden und sehbehinderten Menschen sorgen, in alle neuen Kioske einzubauen, die nach dem 1. Juli in einem US-Restaurant installiert werden. Laut McDonald’s schließt dies auch alle Restaurants ein, die an Franchisenehmer verkauft werden.

Über McDonald’s

McDonald’s ist der weltweit führende Systemgastronomie mit über 39.000 Standorten in 119 Ländern. Weltweit werden 93% der McDonald’s Restaurants von selbstständigen lokalen Franchisenehmern betrieben. In USA betreibt McDonald’s etwa 5% seiner rund 14.000 US-Restaurants in Eigenregie, so das Unternehmen. Der Rest wird von selbstständigen Franchisenehmern betrieben.

Mehr zum Thema Kiosk: https://digital-lunch.de/2021/04/kiosk-gast/ 

Peter Schimpl

Peter Schimpl

Vor der Gründung von Digital Lunch war Peter Schimpl mehr als zehn Jahre als CIO für McDonald’s Deutschland und als Geschäftsführer eines Münchner IT-Unternehmens tätig. In diesen Positionen zeichnete er für Konzeption, Umsetzung und RollOut digitaler Lösungen für Handel und Systemgastronomie verantwortlich. Durch die nach wie vor sehr enge Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen der Branche kann er auf einen großen Erfahrungsschatz in der IT bauen.