Die wichtigsten 5 Antworten zu Ghost Kitchen

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Gehst Kitchen Küche
Photo von Unsplash

Lieferung durch Ghost Kitchen Konzepte

Es wird prognostiziert, dass der weltweite Umsatz durch Lieferungen bis 2025 auf 200 Milliarden US-Dollar steigen wird (Frost & Sullivan, 2019).

Durch Corona haben sich viele Restaurants darauf konzentriert die Liefer- und Abhol-Prozesse neu einzuführen oder diese zu optimieren, um die stark steigende Nachfrage nach Lieferung und Abholung zu befriedigen.

Ein neues Restaurantkonzept hat aber wie kein anderes auf den Anstieg der Lieferdienste reagiert: die sogenannten Ghost Kitchen. 

Was sind Ghost Kitchen?

Auch bekannt als Dark Kitchen, verzichten Ghost Küchen auf alle Dine-In bezogenen Services eines Restaurants: Es gibt keine Fenster- oder dekorative Straßen-Front mit Werbung, keine Sitzbereiche für Gäste und kein Service-Personal wie Bedienungen oder Kassierer.

Typischerweise sind Ghost Kitchen Konzepte auf die Produktion von Speisen für die Lieferung ausgerichtet. Einige (wenige) Restaurants ermöglichen aber auch Abholung am Ghost Kitchen, was den Fokus etwas von der Lieferung nimmt und das Gesamtkonzept etwas komplexer macht.

Ghost Kitchen variieren durchaus in ihrem SetUp, bzw. Ihrem Aufbau: so können Restaurants zum Beispiel innerhalb ihrer bestehenden Räumlichkeiten einen separaten Raum einrichten, der ausschließlich auf Liefer-Bestellungen ausgerichtet ist; eine bereits bestehende Küchenfläche wie z.B. ein lehrstehendes Restaurant, einen Imbiss, oder eine Metzgerei für den Betrieb als Ghost Kitchen anzumieten. Es ist auch möglich ein Ghost Kitchen in einer Lokalität einzusetzen, welche die von mehreren Restaurants gemeinsam genutzt wird. Dieses, in Europa und Deutschland noch neue Modell zielt darauf ab, den Betrieb zu rationalisieren und die Kosten für Betreiber zu senken.

Wie funktionieren Ghost Kitchen?

ghost kitchen BestellbelegeUm eine Ghost Kitchen zu eröffnen, mietet ein Restaurantbesitzer – wie bereits weiter oben erwähnt – in der Regel einen Raum an. Es gibt auch die Option eine Gemeinschaftsküche eines Unternehmens wie Kitchen United oder Cloud-Kitchens anzumieten. Es sei allerdings erwähnt, dass diese in Deutschland leider noch nicht verfügbar sind und dass das deutsche Unternehmen KEAZZ in 2019 wieder vom Markt gegangen ist.

Zur Lieferung nutzt der Betreiber entweder seinen eigenen Lieferservice oder eine Liefer-App eines Drittanbieters wie z.B. Wolt, Lieferando oder lokale Anbieter.

Der Bestellvorgang selbst, läuft wie vom Gast gelernt und gewohnt ab: die Gäste bestellen online oder über eine App und die Bestellung wird in der Ghost Kitchen zubereitet. Im Fall der Lieferung werden die Bestellungen direkt geliefert. Einige Ghost Kitchen bieten Abholung an, bei denen Gäste ihre Bestellungen in oder außerhalb der Ghost Kitchen entgegennehmen können. Einer der Schlüssel-Konzepte ist aber, dass die Interaktion mit dem Gast bis auf die Übergabe ausschließlich virtuell stattfindet.

Was sind Vorteile für Restaurants und Gäste

Für Restaurants

Obwohl Ghost Kitchen als Antwort auf die hohe Nachfrage nach Essens-Lieferungen konzipiert wurden, adressieren sie zusätzlich andere Probleme mit der die Gastronomie zu kämpfen hat.

Raumkosten: attraktive Fenster- oder Store-Fronten und/oder große Sitzbereiche machen traditionelle Restaurantstandorte sehr teuer. Investitions-Kosten und langfristige Verträge sind vor allem in begehrter Lage mit hoher Frequenz ein großes Risiko. Ghost Kitchen brauchen dagegen deutlich weniger Fläche, niedrigere Investitionen und die für Ghost Kitchen beste Lage richtet sich nach der Lieferdichte wie z.B. Wohngebiete oder Büroviertel. Zusammengefasst haben Ghost Kitchen deutlich niedrigere Einstiegskosten und eignen sich daher auch hervorragend für Food-StartUps oder für bestehende Restaurants, welche auf mehrere Standorte expandieren wollen.

Unterhaltskosten: Traditionelle Restaurants haben hohe laufende Unterhalts-Kosten wie Instandhaltung und Reinigung für Möbel, Dekoration, Gäste-Toilettenanlagen, etc.. Diese Kosten entstehen in Ghost Kitchen nicht.

Personalkosten: Ghost Kitchen benötigen nur Personal für die Zubereitung, Übergabe oder Lieferung der Speisen. Die Kosten für Servicekräfte und Kassierer entfallen üblicherweise. Dies reduziert die Kosten für Personalräume und deren Ausstattung ebenfalls positiv.

Raum für Innovationen: Das traditionelle Restaurantmodell lässt den Betreibern und Köchen wenig Raum, um kreative Risiken einzugehen. Ghost Kitchen haben ein geringeres Risiko, da innovative Konzepte in Ghost Kitchen getestet werden können, um das Potential abzuschätzen. Es kann auch darüber nachgedacht werden für die Ghost Kitchen eine eigene Marke zu gründen und sich neu zu positionieren.

Für Gäste

Natürlich profitieren auch die Gäste von einem professionellen und durchdachten Ghost Kitchen SetUp. Optimierte und fokussierte Prozesse ermöglichen dem Gast, Liefer- oder Abholbestellungen als professionellen, schnellen und durchdachten Service zu erleben, welcher sich von der „nicht spezialisierten“ Konkurrenz positiv abhebt und Service-Standards setzt. Da Ghost Kitchen auch weniger Betriebskosten verursachen, können Preisvorteile ggf. auch an den Gast weitergegeben, oder in Nachhaltigkeit wie z.B. Verpackungskonzepte investiert werden. Sollten sich mehrere Konzepte eine Ghost Kitchen Lokation teilen, kann die Online-Plattform Gästen auch ermöglichen bei mehreren Restaurants mit nur einer Lieferung zu bestellen.

Auf was müssen Betreiber von Ghost Kitchen achten?

Vor der Eröffnung einer Ghost Kitchen sollten sich die Betreiber über die grundlegenden Unterschiede des operationalen Modells im Klaren sein. So gibt es z.B. kein persönliches Feedback der Gäste. Dies macht es wichtig soziale Medien zu nutzen, um Rückmeldungen zu beobachten und die aktive Kommunikation mit den Gästen zu pflegen. Hier haben die Gäste eine hohe Erwartungshaltung und deren geäußerte Meinung eine wesentlich größere Reichweite als bei traditionellen Restaurants.

Da Ghost Kitchen auf Lieferung und ggf. Abholung angewiesen sind, müssen die Prozesse auf diese Servicebereiche optimiert sein und es muss auf jedes Detail geachtet werden. So sollte die Speisekarte so überarbeitet werden, dass Speisen schnell zubereitet, für Lieferung geeignet und in konsistent guter Qualität warm, bzw. kalt gehalten werden können. Liefergeschwindigkeit, -Verlässlichkeit und Freundlichkeit bei der Übergabe sind kritische Faktoren des Gesamteindrucks.

Sollten Sie ein neues Konzept, bzw. eine neue Marke (Brand) lancieren, ist der Markenauftritt von grosser Bedeutung. Da es kein physisches Restaurant, keine Beschilderung oder kein Dekor gibt, um die Marke zu differenzieren, muss der Betreiber auf die Verpackung der Speisen und das Lieferpersonal (saubere und gebrandete Uniform) inkl. deren Fahrzeuge setzen (der Werbewert von gebrandeten Lieferfahrzeugen wird oft unterschätzt), um seine Markenbotschaft zu transportieren und zu verfestigen.

Als extrem wichtiger Punkt ist natürlich das Design und die Nutzerfreundlichkeit von Webseite und Bestellplattform ein entscheidend, da dies die Eingangstür zum Restaurant und die erste Botschaft ist, welche der Gast von der Marke zu sehen bekommt.

Öffnen Sie möglichst viele Bestell- und Bezahlkanäle. Neben der eigenen Webseite oder App, sollte das Angebot über Bestellplattformen wie Lieferheld, soziale Netzwerke, Google oder lokale/regionale Plattformen erreichbar sein. Ein Wettbewerbsvorteil kann die Öffnung hin zu Messenger-Diensten wie WhatsApp, Telegram, SMS, etc. sein.

Wie unterstützt Technologie den Erfolg?

Web und Mobile Burger auf HandyDie Branchenriesen in der Systemgastronomie sind sich einig, das künstliche Intelligenz das Potenzial hat, Restaurant-Marketing auf die nächste Stufe zu heben. KI kann das Kundenverhalten vorhersagen, mit Gästen kommunizieren und mit detaillierten Analysen den Betreibern die notwendigen Informationen aufbereiten ihr Angebot zu verbessern.

Auch wenn die Künstlichen Intelligenz für viele hohes Zukunftspotential hat, gibt es vorhandene Technologien, Werkzeuge und Tools, welche es dem Betreiber einer Ghost Kitchen erlauben seine Prozesse zu optimieren um den Gästen ein Erlebnis zu bieten, was deren Erwartung noch übertrifft.

Da Ghost Kitchen flexibel und anpassungsfähig sind, sind sie sehr gut positioniert, um die Vorteile der Digitalisierung voll auszuschöpfen und Tools optimal zu nutzen.

Ein digitales Küchen-Bildschirm-System zeigt eingehende Bestellungen zur richtigen Zeit an der richtigen Station an, steigert so die Effizienz bei der Zubereitung von Speisen, erlaubt eine direkte Kommunikation mit FahrerApps und ermöglicht eine Auswertung von Zeiten wie z.B. Bestelleingang -> Bestell-Annahme -> Fertigstellung -> Übergabe -> Auslieferung.

Eigene Lieferfahrer reduzieren die Abhängigkeit des Betreibers von Drittanbietern wie z.B. Wolt. Digitale Lösungen helfen dabei Fahrern Bestellungen zuzuteilen, Lieferungen zu verfolgen, Routen zu optimieren, direktes Feedback der Gäste zu erhalten und vieles, vieles mehr. Nebenbei liefern diese Systeme wertvolle Daten zur Optimierung vieler Faktoren des Liefergeschäfts.

Das Online-Bestellsystem als Webseite oder als App ist ebenfalls von enormer Bedeutung Das Bestellsystem muss die Marke repräsentieren, durchgängig benutzerfreundlich, immer aktuell gepflegt sein und möglichst viele Bezahl- und Lieferoptionen (Vorbestellung, terminierte Lieferung, so schnell als möglich, …) integrieren. Um die Aufmerksamkeit weg von den Portalen wie z.B. Lieferheld und auf die eigenen Kanäle zu lenken ist es wichtig Marketing-Instrumente auf sozialen Medien und Plattformen konsequent zu spielen.

Die konsequente Nutzung von Technologie schafft für den Gast ein sicheres, verständliches und durchgängiges Gastronomie-Erlebnis. Da der Bestell- und Bezahlvorgang online abgewickelt wird, können sich Ghost Kitchen ausschließlich auf die Zubereitung und Lieferung der Speisen konzentrieren. Dies erhöht Qualität und Produktivität auf Seiten des Restaurants. Da die Wahrscheinlichkeit von Kommunikationsfehlern oder Irrtümern durch die Online-Bestellung minimiert wird, erhöht dies nebenbei die Bestellgenauigkeit dramatisch.

Kontaktlose Prozesse wie Selbstbestellungs-Systeme (Kioske) und Online-Bestellplattformen geben dem Gast mehr Zeit zu bestellen, was sich positiv auf den Durchschnittsbon auswirkt und ganz nebenbei noch Bargeld-Differenzen und Kosten für die Bargeld-Prozesse wie Safes, Geltransporte, etc. verringert.

Lesen Sie auch unseren Beitrag: Erfolg mit Lieferservice

Peter Schimpl

Peter Schimpl

Vor der Gründung von Digital Lunch war Peter Schimpl mehr als zehn Jahre als CIO für McDonald’s Deutschland und als Geschäftsführer eines Münchner IT-Unternehmens tätig. In diesen Positionen zeichnete er für Konzeption, Umsetzung und RollOut digitaler für Handel und Systemgastronomie verantwortlich. Durch die nach wie vor sehr enge Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen der Branche kann er auf einen großen Erfahrungsschatz in der IT bauen.